Golfplatz

Anfang des Jahres habe ich mit einer Umfrage über den ehemals geplanten Golfplatz begonnen. Leider sind bisher nicht genug Antworten eingelangt, die eine statistische Auswertung ermöglichen würden. Bisher wurden 1000 Flugblätter, die zur Umfrage einladen, verteilt. Es werden in den kommenden Wochen noch weitere Flugblätter verteilt.

Da ich so viele Antworten wie möglich erhalten möchte, überlege ich die Umfragestrategie auszuweiten. Bitte beantworten Sie die folgende Frage, damit ich weiß ob ich eine Telefonumfrage in Betracht ziehen soll. Es sei erwähnt, dass ich diese Umfrage erst Im Dezember durchführen kann, da ich inzwischen im Ausland lebe und erst im Dezember in Österreich sein werde.


Im Dezember 2013 wurde in Klosterneuburg eine Volksbefragung abgehalten. Bei dieser Volksbefragung wurden verschiedene Punkte abgefragt unter anderem auch, ob auf einem Grundstück der AUVA ein Golfplatz entstehen soll. Mehr Informationen zu der Umfrage generell ist hier zu finden; allgemeine Informationen über Volksbefragungen sind hier zu finden.

Bei der Volksbefragung am 1.12.2013 haben von 26.217 Stimmberechtigten 10.434 Bürger ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag somit bei 39,8 Prozent (Iburg.at, Meinbezierk.at). Es gab zwei Fragebögen, einen des Gemeinderates, einen der Bürgerinitiative; beide haben die Bürger nach Ihrer Zustimmung für den Golfplatz gefragt.

Die Resultate der Volksbefragung den Golfplatz betreffend, zeigen eindeutig, dass die Klosterneuburger gegen den Golfplatz sind. Im Vorfeld der Volksbefragung wurden die Projekte der Gemeinde heiß diskutiert und es formten sich Gruppierungen für und gegen die Projekte. Die einflussreichste Gruppe war ‘Nein-zum-Golfplatz‘, die einen großen Aufwand betrieb, um die Bevölkerung über die Pläne der Gemeinde aufzuklären.

Im Vorfeld der Volksbefragung wurde eine “Strategische Umweltprüfung” (SUP) durchgeführt, die dem Golfplatz grünes Licht erteilte.

Die Volksbefragung und die SUP sind als Hilfestellung der Entscheidungsfindung zu sehen. Durch dieses Beispiel wird deutlich, dass es von Bedeutung ist, was als Entscheidungsgrundlage herangezogen wird. Aus diesem Grund habe ich mich im Jahr 2013 gefragt, was eine Contingent Valuation (CV) ergeben hätte. Gerne hätte ich mich schon damals wissenschaftlich mit der Frage auseinander gesetzt, doch da ich gerade an meiner Diplomarbeit arbeitete, war es mir damals nicht möglich. Nun möchte ich die Untersuchung nachholen, weswegen ich eine CV durchführe. Eine CV basiert auf einer Umfrage, welche im konkreten Fall von allen Klosterneuburgern, die am 01.12.2013 wahlberechtigt waren, ausgefüllt werden kann (den Link zur Umfrage finden Sie hier).

Auf dieser Seite werden die Forschungsergebnisse offengelegt, sobald sie vorliegen und analysiert worden sind. Dies wird jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen, ich bitte die Teilnehmer der Umfrage und interessierte Leser also um Geduld.

Contingent Valuation

Die CV gehört zu den stated preferences Methoden, das heißt, dass Einzelpersonen konkret nach einem Wert für ein gewisses Gut oder Service gefragt werden. Doch warum braucht man so eine Methode überhaupt? Güter und Services sind nur dann mit einem (Geld-)Wert ausgezeichnet, wenn sie am Markt gehandelt werden. Nicht alle Güter und Services, die dem Menschen zu Verfügung stehen, können auf Märkten gehandelt werden, da sie verschiedene Kriterien nicht erfüllen. Güter über die kein Eigentumsrecht ausgesprochen werden kann oder deren Konsum nicht dazu führt, dass andere vom Konsum ausgeschlossen werden, können am Markt nicht gehandelt werden. Ein Beispiel: über die schützende Ozonschicht kann kein Eigentumsrecht ausgesprochen werden und alle Menschen können sie (so sie in Takt ist) gleichermaßen konsumieren. Da der Ozonschicht oder anderen Gütern und Services des Ökosystems, die nicht am Markt gehandelt werden können, kein (Geld-)Wert zugeordnet wird, werden sie in wirtschaftlichen Überlegungen nicht oder ungenügend miteinbezogen. Daraus resultiert, dass positive wie auch negative Externalitäten (Kosten oder auch Gewinne) entstehen, die die Allgemeinheit zu tragen hat. Ein Wald beispielsweise liefert nicht nur Holz, sondern reinigt die Luft, speichert CO2, dient als Erholungsort und bietet ein schönes Landschaftsbild. Wird der Wald abgeholzt, so stehen auf der wirtschaftlichen Gewinnseite die Einkünfte durch den Holzverkauf. Auf der anderen Seite gibt es negative Faktoren, die nicht miteinbezogen werden, da sie keinen “Preis” haben. Die Allgemeinheit muss dennoch die negativen “Kosten” des abgeholzten Waldes tragen. Menschliches Handeln kann auch zu positiven Externalitäten führen, wenn die Allgemeinheit einen Gewinn daraus zieht (zB. Almlandschaft).

Um zu wissen, wie hoch der Verlust bzw. Gewinn ist, kann man versuchen diesen zu messen. Grundsätzlich kann man dazu zB. biophysikalische Messungen unternehmen, Umfragen über den qualitativen Wert machen oder versuchen einen Geldwert zu ermitteln. Letzteres ist der Zweck einer CV. Hier wird also nicht (im konkreten Fall) der Grundstückspreis, der Gewinn aus landwirtschaftlichen Tätigkeiten oder der Gewinn des Golfplatzes erhoben, sondern der ökonomische Wert der Güter und Services erhoben, die nicht am Markt gehandelt werden. Diese Erhebungen sollen darauf verweisen, dass es mehr Faktoren zu beachten gibt, als die die das Marktsystem offenlegt. Die aus solchen Studien gewonnenen Werte können dann in die Entscheidungsfindung einfließen.

Die ökonomische Bewertung von Gütern und Services des Ökosystems ist allerdings ein sehr umstrittenes Feld. Nicht alle Ökonomen sind der Ansicht, dass solch ein Vorgehen valide Ergebnisse hervorbringt. Dennoch wird diese und andere Methoden zu ökonomischen Bewertung von Ökosystemleistungen verwendet. Mit meiner Forschung möchte ich herausfinden was eine CV ergeben hätte und wie dieses Ergebnis folglich auch die Entscheidungsfindung beeinflusst hätte. Weiters möchte ich das Ergebnis mit dem der Volksbefragung vergleichen und herausfinden in wie fern die Ergebnisse übereinstimmen. Die Validität der Volksbefragung wird durch meine Studie natürlich nicht angezweifelt, sondern im Gegenteil als Vergleichswert herangezogen.